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  • AutorenbildSchreiblaune

Goodbye perfection!

Nachdem ich in der letzten Woche Urlaub hatte, steht für mich der erste Arbeitstag nun wieder unmittelbar vor der Tür. Zwar starte ich am heimischen Schreibtisch in die neue Woche, aber dennoch – die freie Zeit ist erst einmal wieder vorbei. Dabei gewöhnt man sich sehr schnell daran, wenn man sich die eigene Zeit ganz so einteilen kann, wie es einem in den Sinn kommt. Zumindest fast.

Denn natürlich hatte ich mir schon vor dem Urlaub fest vorgenommen weiter am Manuskript zu arbeiten, doch kam es vollkommen anders. Anstelle des Schreibens rückten auch diesmal wieder andere Themen in den Vordergrund. Die Selbstmotivation ist – zumindest in der Hinsicht – noch immer nicht meine Stärke. Und so habe ich jede Menge andere Dinge getan und bin unter anderem dankbar über einen wunderbar spannenden Auftrag, den ich zu Beginn des Urlaubs annehmen durfte. Doch das Manuskript fristet weiterhin sein tristloses Dasein in der Schreibtischschublade. Doch woher kommt es, dass genau die Dinge liegen bleiben, an denen das eigene Herz doch eigentlich so sehr hängt. Zumal sie uns ja auch offenkundig Spaß machen, wenn wir unsere Zeit mit ihnen verbringen?

Um ehrlich mit dir zu sein, bin ich eine kleine Perfektionistin. Allein bei meinem Brotjob, bei dem es auch zu großen Teilen um das Texten, wenn auch in einem anderen Kontext, geht, müssen die Zeilen von vornherein halbwegs stimmig sein, um keinen riesigen Berg an Korrekturschleifen zu verursachen. Das ist in den meisten Fällen auch kein Problem, denn ich weiß von Beginn an, in welche Richtung der Text geht und letztendlich ist natürlich auch dessen Umfang überschaubar. Ich bin jedenfalls keine Ghostwriterin von umfangreichen Arbeiten, so viel steht fest.

Vielmehr liegt das Problem nicht allein beim Schreiben, sondern sich bewusst auf ein langwieriges Projekt einzulassen, dass nicht nur für eine Woche die eigene Konzentration fordert, sondern sich nicht zuletzt über mehrere Monate erstrecken wird. Und auch, wenn es um ein Herzensprojekt geht – es ist ein Text, mit dem ich mich sehr lange auseinandersetzen muss. Und auch, wenn immer neue Impulse hinzukommen, bleibt die Arbeit am Roman ein Mammut-Projekt, das die meiste Zeit der Autor*innen einfordert. Nun würde ich am liebsten laut rufen: „Das ist doch kein Problem! Ich liebe das Schreiben und vor allem das Auseinandersetzen mit den eigenen Texten!“.

Doch was ist mit den anderen Dingen, die ebenfalls unsere Aufmerksamkeit fordern?

Es ist doch so: Unser Alltag besteht nicht nur aus dem, was wir wirklich lieben oder uns vornehmen. Viele Autor*innen haben einen Job, der ihnen jeden Tag einiges abverlangt und managen im Privatleben ihre Familie, Hobbys sowie täglichen Aufgaben, wie Haushalt & Co. Umso mehr bewundere ich diejenigen, die sich dennoch jeden Tag nach Feierabend an den Schreibtisch – oder zumindest hinter ihren Rechner setzen und in die weit entfernten Welten eintauchen, die sie sich selbst ersinnen. Doch spätestens, wenn der Komplize und die tierische Begleiterin einen von der Couch aus fragend angucken, ganz á la: „Wir sind auch noch da“, wird es schwach um meine Selbstmotivation.

Das Ganze klingt nicht nur nach einer Ausrede, warum ich in den letzten Tagen nicht nennenswert weitergekommen bin, sondern ist es auch. Vielleicht, um einen Vorwand für diesen Beitrag zu finden, oder meine Schreibflaute vor mir selbst zu rechtfertigen. Vermutlich aber eine Mischung aus beidem. Vielleicht aus Angst wirklich mit dem Manuskript weiterzumachen und die Story voranzutreiben. Womöglich auch die Angst vor dem Scheitern, weil es einfacher ist, sich mitten im Text zu verlieren, als am Ende anzukommen.

Doch Hand auf´s Herz: Ich merke, wie die Aufschieberitis in Frustration und in zahlreiche kleine Nebenprojekte ausufert. Und da diese ebenfalls noch in den Kinderschuhen stecken, schleichen sich auch hier Zweifel und Frustration auf leisen Sohlen an.

Doch was kann man tun, um endlich voran zu kommen? Endlich mutiger werden. Dazu zählt auch, sich nicht zu sehr unter Druck zu setzen und die gewünschte Perfektion gekonnt aus dem Rampenlicht zu schubsen. Denn die verdreht uns nicht nur den Kopf, wenn es um Kreativität, Brainstorming und das freie Schreiben geht, sondern wird bei der ersten Fassung eines Romans in den wenigsten Fällen gegeben sein.

Doch warum, tippe ich meine Ausrede an einem Sonntagabend ab und veröffentliche sie in meiner Kolumne? Nun, das ist so einfach wie auch egoistisch: Ich möchte nicht die einzige sein, der es so geht. Denn es gibt extrem viele Autor*innen dort draußen, die genau das rocken, was mir momentan noch Kopfzerbrechen bereitet: Sie ziehen ihr verdammtes Ding durch. Natürlich haben sie deshalb meinen größten Respekt. Doch all denjenigen kleinen Perfektionisten, die noch am Beginn ihrer Reise stehen und sich ebenso wie ich noch selbst ein Bein stellen, sei gesagt: Auch wir sind nicht allein und jeder noch so kleine Schritt, jedes weitere Wort und jedes noch so minimale Überwinden der eigenen Komfortzone bedeutet nur eins: Wir sind auf dem richtigen Weg.

Habt noch einen schönen Sonntagabend, einen angenehmen Start in die neue Woche und bleibt vor allem gesund.

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