top of page
  • AutorenbildSchreiblaune

Gute Vorsätze: Mutiger sein

Diese Woche hat mich vor allem ein Vorsatz beschäftigt, den ich schon lange versuche in meinem Leben zu integrieren: Mutiger werden. Das bedeutet nicht, dass ich vorhabe demnächst an einem dünnen, elastischen Seil von einer Brücke zu springen oder Extremsport ansteht. Vielmehr geht es darum dem eigenen Kopf ein Schnippchen zu schlagen.

Wer dazu neigt sich schnell Gedanken über Situationen zu machen, viel über das Vergangene nachdenkt oder Szenen immer wieder reflektiert, also kurzum Dinge zerdenkt, weiß sicherlich wovon ich schreibe. Insbesondere diejenigen unter euch, die ebenso wie ich schnell zu der XXL Version des schwarzen Farbeimers greifen. Denn so werden aus unbedenklichen Momenten urplötzlich Horrorszenarien, bei denen allein der Gedanke daran Panik in uns selbst auslöst. Dabei werden beispielsweise einzelne Worte rückwirkend neu intoniert, ein Blick gerne mal fehlgedeutet oder anstehenden Aufgaben ein sowieso negativ ausgehendes Resultat prognostiziert. Wir müssen nicht darüber sprechen, dass es hierzu oftmals keinen Grund gibt. Viel eher setzt sich dabei ein oft durchgespielter Mechanismus in Gang, den wir bis zur Perfektion einstudiert haben, um auch neuen Situationen vollkommen entmutigt entgegentreten zu können. Der Mensch ist eben ein Gewohnheitstier und so verhält es sich – zumindest in meinem Fall – auch mit den gut einstudierten Verhaltensmustern. Wir wissen, wie wir in diesen Momenten üblicherweise reagieren und können uns bequem in unserem Sessel zurücklehnen, um das mentale Drama in vollen Zügen durchzuspielen. Schließlich kostet uns eben dieses gewohnte Verhalten nicht viel Aufwand – wir kennen es so in- und auswendig, wie unseren Lieblingspullover.

Doch unter uns gesagt: Mit diesem Verhalten kennen wir uns zwar bestens aus – doch wir nehmen uns zugleich selbst den Wind aus den Segeln. Wir machen uns kleiner, als wir in Wirklichkeit sind. Und um ehrlich zu sein, machen wir uns das Leben damit auch nicht leichter.

Wenn wir von vornherein von dem schlimmsten Fall ausgehen, der eintreffen könnte, können wir immerhin nicht enttäuscht werden, sondern gehen als Überlegene aus der Situation heraus. Dabei können wir im Nachgang voller Inbrunst sagen: “Ich habe es doch gewusst”.

Doch wollen wir das auch wirklich? Ich glaube nicht.

Wollen wir uns in neuen Situationen immer von unserer pessimistischen Seite zeigen, ohne einem guten Ausgang eine Chance zu geben? Unter uns gesagt, kann das Ganze Schwarzmalen auf Dauer ziemlich belastend werden. Natürlich können wir immer sagen, dass wir letztendlich Recht hatten, wenn es doch mal nicht ganz so rund läuft, wie wir es uns insgeheim erhofft hatten. Doch wie würden die Dinge wohl verlaufen, wenn wir versuchsweise einfach mal vom Positiven ausgehen würden? Denn genau das ist das Widersprüchliche: Wir gehen von dem Schlimmsten aus, doch wollen wir genau das doch eigentlich überhaupt nicht. Die leise Ahnung oder Hoffnung in uns, will doch eigentlich immer, dass alles gut ausgeht und wir uns in unserem Schwarzmalen geirrt haben.

Zeit für ein Beispiel: Wir werden in unserem Job vor ein neues Projekt gesetzt, das nun umgesetzt werden soll. Die Deadline rückt immer näher und es liegt dem Chef*in persönlich am Herzen, dass dieses auch einen gewinnbringenden Ausgang hat. Gehen wir einfach mal davon aus, dass wir die nötigen Skills mitbringen, um eben dieses Projekt erfolgreich zu meistern. Das Werkzeug ist also vorhanden und wir müssten nur den ersten Schritt gehen, um dem Projekt Leben einzuhauchen.

Zählt zu unserem Werkzeugkasten jedoch die schwarze Farbe, wird es uns vermutlich schwer fallen den ersten Schritt zu gehen und einen Anfang zu finden. Denn wie motivierend sind die Gedanken: “Das wird doch sowieso nicht funktionieren”, “Ich bin zu schlecht, um das selbst umsetzen zu können”, “Das wird niemals funktionieren”? Vermutlich geht es einigen von euch wie mir und bei diesen Gedanken würde das Motivationslevel direkt gen null sinken.

Anstelle dieser demotivierenden Gedanken übersehen wir die offensichtlichste Tatsache, die in dieser Situation steckt: Uns wurde das Projekt übertragen, weil unser Chef*in davon ausgeht, dass wir eben das positive Resultat erzielen, das gewünscht ist. Es gibt keinen Grund wichtige Aufgaben jemandem zu geben, von dessen Kompetenz man nicht überzeugt ist, oder?

Ein Gedanke der mit dabei hilft die Situationen aus einer anderen Perspektive zu betrachten und den Farbeimer aus meinem Werkzeugkasten zu kicken, ist ganz simpel. In diesem Beispiel wäre es eine andere Perspektive. Anstelle das Projekt als übergroßes Hindernis zu sehen, vor dem ich von Anfang an kapituliere und so einen Misserfolg förmlich anziehe, versuche ich aus dem Hindernis eine Herausforderung zu machen. Frei nach dem Motto: “Es gibt keine unüberwindbaren Hindernisse – es gibt nur Herausforderungen”, wird die kleine Pessimistin in mir bereits wesentlich leiser. Das lässt sich natürlich nicht nur auf die Arbeit, sondern auch auf alltägliche Situationen übertragen. Ist es nun ein neuer Beitrag für den Blog, ein Bild auf Instagram oder oder oder …

Ein weiterer Fehler, den ich sehr gerne mache, ist den alten Spruch: “Eigenlob stinkt” im Hinterkopf zu haben. Auch, wenn ich weiß, dass es Blödsinn ist, ist es nicht immer einfach diese Floskel auszublenden. Dabei bleibt eine wichtige Tatsache auf der Strecke: Eigenlob ist vollkommen in Ordnung. Oder formulieren wir es etwas anders: Eigenlob ist sogar ausdrücklich erwünscht. Macht euch etwas Spaß oder seid ihr zufrieden mit dem Resultat, dann traut es euch auch einzugestehen. Es ist vollkommen in Ordnung auf sich stolz zu sein und an die eigenen Fähigkeiten zu glauben. Und nebenbei bemerkt – Achtung Spoiler: Wenn wir uns über etwas freuen oder uns etwas Gutes passiert, reiht sich nicht direkt etwas Schlimmes hinten an, um das Ganze wieder auszugleichen. Ich spreche da aus eigener Erfahrung. 😉

Auch hierzu ein kleines Beispiel: Jemand macht euch ein Kompliment und ihr freut euch darüber, dass eure Arbeit, der letzte Post oder Ähnliches so gut angekommen ist, dass ihr ein positives Feedback hierzu bekommt. Wer im Anschluss den Zweifeln und dem Männchen mit der schwarzen Farbe zu viel Spielraum einräumt, könnte womöglich auf den Gedanken kommen, dass es sich nur um einen Zufallstreffer gehandelt hat. Dass der andere womöglich sogar enttäuscht darüber ist, wenn ihr nun den nächsten Schritt geht und ein weiteres Bild oder einen neuen Beitrag posted. Wenn ihr euch selbst bei diesen Gedanken ertappt, könnt ihr euch sehr gern mental auf die Finger hauen, denn es ist absoluter Quatsch. Mit ein bisschen mehr Mut wissen wir, dass ein Lob auch angenommen werden darf und Erwartungshaltung etwas Positives sein kann. Denn immerhin vertraut jemand auf das, was und wie wir es tun. Es gibt kein kosmisches Gleichgewicht, dass uns sofort auf die Füße fällt, wenn wir anfangen auf das Positive und vor allem auf uns selbst zu vertrauen.

Letztendlich lässt uns genau das mutiger werden: Selbstvertrauen. Das Vertrauen in uns, unsere Fähigkeiten oder auch in uns als Menschen.

Diese Woche hat es übrigens ganz gut funktioniert den positiven Werkzeugkasten an meiner Seite zu haben. Natürlich wird es auch immer wieder Situationen gehen, in denen sich die Schwarzmalerin in mir zu Wort melden wird – doch bis dahin ist schließlich auch noch genug Zeit, um mir ein neues Mantra einzuprägen. Denn anstelle des: “Ich schaffe das sowieso nicht”, begleitet mich nun wesentlich öfter ein positives: “Das wird spannend”.

Denn lasst uns eine Sache nicht vergessen: An dem Ort, an dem es sich die Angst in unserem Kopf gemütlich gemacht hat, genau dort entsteht auch der Mut.

Ich wünsche euch ein schönes und mutiges Wochenende. 🙂

1 Ansicht0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

コメント


bottom of page