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Neue Perspektiven

Er ist endlich da! Ein Brief auf den ich schon etwas länger und voller Vorfreude gewartet habe. Auf den ersten Blick ist er nichts Besonderes. Um ehrlich zu sein, ist er sogar recht grau. Doch das macht ihn für mich nicht minder spannend – nicht allein des Inhalts wegen. Vielmehr, weil ich mich Monate lang vor der Entscheidung gedrückt habe, etwas anzugehen, dass mir schon seit Jahren durch den Kopf geistert. Immer wieder gezögert habe eine kurze Mail zu schreiben und Enter zu drücken. Etwas, dass ich immer mit einem Lachen als meinen persönlichen Plan B bezeichnet habe. Die Option, wenn “alle Stricke reißen” und die meine Mitmenschen mit einem fürsorglichen Lächeln quittiert haben. Träume wird man ja schließlich noch haben dürfen. Oftmals.

Es geht dabei um eine kleine Selbstständigkeit am Rande. Um genau zu sein, möchte ich neben meinem Hauptjob als Freiberuflerin arbeiten. Dabei geht es nicht nur um eine vollkommen neue Perspektive in meinem Leben. Es geht um die Freiheit sich in einem Teilbereich des Arbeitslebens ein Stück weit neu zu erfinden. Auch, wenn das bedeutet, dass der Feierabend zum zweiten Arbeitsplatz wird.

Doch es bleibt für mich trotzdem ein großer Schritt in die richtige Richtung.

Es ist durchaus legitim an dieser Stelle zu fragen, warum es auf mich attraktiv wirkt, sich auch nach der Arbeit noch weiter mit Texten zu beschäftigen. Man könnte alternativ schließlich einfach Netflix anschmeißen und das Gedankenkarussel für einen Moment ausschalten. (Was nicht bedeutet, dass ich Serienabende kategorisch ausschließen würde.) Dabei ist die Antwort so simpel, wie auch ausreichend: Weil es mir Spaß macht.

Ich weiß nur allzu gut, wie es ist, wenn man vor seiner Arbeit sitzt und den „Wald vor lauter Bäumen“ nicht mehr sieht. Wie es sich anfühlt, wenn man seinen Text zum gefühlt – oder auch realistisch – hundertsten Mal durchliest und es nicht mehr verhindern kann, dass die Gedanken immer wieder abschweifen. Wenn das einzelne Wort auf dem Prüfstand steht und plötzlich keinen Sinn mehr zu ergeben scheint. Wenn… Ihr wisst schon, was ich meine.

Es ist schön, wenn man auf die Erfahrung und ehrliche Meinung eines anderen zählen kann, dem wir unsere Ideen anvertrauen. Nicht, um den Gedanken an sich, sondern vielmehr seine Darstellung auf Vordermann zu bringen.

Das ist natürlich noch lange nicht alles, was mich an der Vorstellung reizt. Schreiben war für mich schon immer ein wesentlicher Bestandteil meines Lebens. Von der Schülerzeitung, bis zur Pressemitteilung, habe ich große Teile meines bisherigen Lebens mit dem Texten verbracht. Auch, wenn Interpunktion für mich mitunter noch immer ein Akt der Interpretation bleibt. Selbst als Linguistin.

Mit der Selbstständigkeit geht also nicht nur etwas in Erfüllung, das ich mir schon lange wünsche. Es kommt noch ein weiterer positiver Aspekt hinzu. Denn der Brief steht für die Überwindung der eigenen Bedenken und für das Ignorieren des nörgelnden Zweiflers im Hinterkopf. Er zeigt, dass es etwas bringt sich immer wieder selbst zu überwinden, Ängste in Frage zu stellen und den Kopf nicht zwischen den hochgezogenen Schultern zu verstecken. Natürlich rette ich nicht die Welt, nur weil ich beschlossen habe aus meinem Hobby einen Job zu machen. Und auch, wenn die Zweifel nicht vollkommen verschwunden sind, so fühlt sich der Schritt dennoch richtig an.

Der Brief ist ein Neustart, eine neue Perspektive.

Ein bisschen Selbstverwirklichung möchte schließlich jeder von uns, nicht wahr?

Es geht langsam vorwärts: Neues Layout für Schreiblaune.com.

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