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Rezension: Eine Familie in Deutschland. Am Ende die Hoffnung

Bei dem Lesen des Romans von Peter Prange ist mir eine Sache passiert, die ich sonst versuche zu vermeiden: Ich habe mit dem zweiten Band angefangen in die umfangreiche Familiengeschichte der Isings einzusteigen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten dem Erzähltempo von Prange zu folgen und die unterschiedlichen Charaktere zuzuordnen, hat der späte Einstieg dem Ganzen jedoch keinen Abbruch getan.

Von Kapitel zu Kapitel tauchen wir in das Leben der einzelnen Familienmitglieder während der Zeit des Nationalsozialismus ein. Dementsprechend dauert es nicht lang, bis man als Leser*in die Protagonisten und ihre Art zu denken sowie zu fühlen bestens kennt. Pranges Art die Geschichte zu weben, zieht einen sehr schnell in den Bann, sodass der 809 Seiten starke Roman, trotz seines Umfangs, alles andere als langatmig erscheint. Wer also auf Pausen mitsamt leichter Kost wartet, der wird enttäuscht. Denn der Roman geht ohne Umschweife auf die Lebensrealität der Charaktere ein – inklusive der Verbrechen der damaligen Zeit. So würde ich die Rezension von Stern.de ohne Vorbehalte unterschreiben, die zusammenfassend festhält: „Für alle, die sich für deutsche Geschichte interessieren, aber kein Geschichtsbuch in die Hand nehmen wollen.“

Doch hier der Klappentext:

„Groß war die Hoffnung im Wolfsburger Land, als auf Hitlers Befehl das Volkswagen-Werk aus dem Boden gestampft wurde. Aber nun bricht der Krieg aus, und die Welt der Familie Ising verwandelt sich von Grund auf. So unterschiedlich die Geschwister Ising sind – Parteibonze Horst, Filmproduzentin Edda, VW-Testfahrer Georg und Ärztin Charly, deren große Liebe Benny in den Wirren von Krieg und Zerstörung verschollen scheint – ein jeder muss sich zu erkennen geben, im Guten wie im Bösen… Was wird für sie alle am Ende des Zweiten Weltkriegs übrig bleiben – von ihren Träumen, von ihrer Hoffnung?“

Schlagen wir Pranges Roman auf, erwartet uns vor der eigentlichen Fortsetzung der Geschichte eine „Widmung“ sowie ein kurzes Zitat von Nietzsche, die uns als Leser*in in einen nachdenklichen Zustand versetzen und – aus meiner Sicht – eine wirklich gelungene Einstimmung für die folgenden rund 800 Seiten bietet.

Insgesamt nimmt uns Prange mit auf die fiktive Reise ins Wolfsburger Land und in das Deutschland von 1939. Von Horst bis Charly lernen wir die Charaktere sehr schnell kennen, die zudem vollkommen nachvollziehbar daherkommen. Unsere Reise führt uns von dem Haus der Familie Ising und von Fallersleben nicht nur in die VW-Werke, sondern nimmt uns ebenfalls mit in Monitionsfabrik, Konzentrationslager und Stalingrad. An dieser Stelle ist es wichtig zu betonen, dass uns als Leser*innen keine Form von etwaiger Beschönigung der damaligen Zeit erwartet. Wenn auch durchweg fiktiv, bietet Prange vielmehr Einblicke in die Verstrickungen einzelner Lebenswelten in ein Gefüge aus Macht, Verzweiflung, Sehnsucht und selbstverständlich auch mit dem organisierten Verbrechen sowie Massenmord.

Inwiefern hier ein stimmiger Übergang vom ersten zum zweiten Band vorliegt, kann ich natürlich (noch) nicht beurteilen, doch ließ sich der Familienroman auch ohne Kenntnis des ersten Teils flüssig lesen.

Für diejenigen, die sich für Romane, die in der Zeit von 1933 spielen, interessieren, kann ich Peter Pranges „Eine Familie in Deutschland – Am Ende die Hoffnung“ nur weiterempfehlen. Ich persönlich hole mein Versäumnis jedenfalls direkt nach und lese nun den ersten Teil „Eine Familie in Deutschland – Zeit zu hoffen, Zeit zu leben“, der bereits neben mir liegt.

📌 Daten zum Buch:

Peter Prange Eine Familie in Deutschland. Am Ende die Hoffnung Fischer Taschenbuch, S. Fischer Verlag GmbH ISBN: 978-3-596-03605-9 Preis: 13,00 EUR Mehr Infos auf www.fischerverlage.de

*Bei diesem Beitrag handelt es sich um unbezahlte Werbung, da ich das Buch selbst erworben habe.

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