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Rezension: Zwei Handvoll Leben

Katharina Fuchs: Zwei Handvoll Leben

Nach einer längeren Leseflaute, hat mich Zwei Handvoll Leben von Katharina Fuchs aus meinem persönlichen Buchtief herausgeholt. Als notorischer „Hibbel“ und jemand, die regelmäßig neu lernen muss sich in Ruhe an einem Ort niederzulassen – ohne direkt wieder aufzuspringen – ist es aus meiner Perspektive schon ein großes Kompliment, wenn ich einen Roman innerhalb einer Woche durchlese.

In diesem Fall hat es nicht nur etwas mit der Geschichte selbst, sondern ebenso mit dem angenehmen Schreibstil von Fuchs zu tun. So hat mich Zwei Handvoll Leben direkt von Seite eins an abgeholt und auch erst mit der letzten Seite wieder entlassen. Die beiden Protagonistinnen – Anna und Charlotte – sind liebevoll gezeichnete Charaktere. Dies mag auch der Tatsache geschuldet sein, dass die Beiden den Leser*innen von Beginn an als Großmütter der Autorin vorgestellt werden. Ich weiß nicht, wie ihr das empfindet, doch ich komme mir in solchen Fällen meist ganz so vor, als würde ich einen heimlichen Einblick hinter die Vorhänge einer Familiengeschichte erhalten.

Doch hier erstmal der Klappentext:

„Zwei starke Frauen. Zwei deutsche Schicksale. Zwei wahre Geschichten. Berlin, 1919: Das Kaufhaus KaDeWe sucht Verkäuferinnen – für die neunzehnjährige Schneiderin Anna die Chance ihres Lebens, Armut und Entbehrungen des Spreewalds zu entfliehen. Zur selben Zeit wird die Gutsherrentochter Charlotte von ihrer Tante und deren jüdischem Ehemann in die Leipziger Gesellschaft eingeführt. Beide begegnen der Liebe ihres Lebens und treffen verhängnisvolle Entscheidungen. Als sie sich nach Kriegsende in den Trümmern Berlins begegnen, zusammengeführt durch die Ehe ihrer Kinder, sind sie durch denselben Schmerz verbunden – den sie erst einander wirklich offenbaren können.“

Wer an dieser Stelle ein romantisiertes Geschichtsbuch erwartet, bleibt womöglich enttäuscht zurück. Und ebenso diejenigen – Achtung Spoileralarm – die gern mehr über die Bindung der beiden Frauen nach Kriegsende erfahren hätten.

Was uns Leser allerdings wirklich erwartet, sind die detaillierten Beschreibungen aus den Leben von Anna und Charlotte. Als Leser*innen begleiten wir die beiden Protagonistinnen vom Kindesalter an und durch zwei Weltkriege hinweg. Wir lernen die Familien und ihre Macken ebenso, wie die Wünsche, Träume und Sehnsüchte der beiden Frauen kennen. Der Klappentext hat mich vorerst eine andere Geschichte erwarten lassen, doch im Nachgang bin ich froh, dass sich die Story auf ihre eigene Art und Weise entwickelt hat.

Durch die wechselseitige Perspektive auf das Leben einer der beiden Frauen, wird der Roman zum kurzweiligen Vergnügen, dem man ganz a la “Nur noch ein Kapitel” gerne folgt.

Den einzigen Dämpfer stellt für mich das Ende der Geschichte dar. Eben der Moment, der durch den Klappentext angeteasert wird: Die Erkenntnis der beiden Frauen, dass sie mehr gemeinsam haben, als es der erste Eindruck zugelassen hat. Denn während wichtige Momente im Leben der Protagonistinnen detailliert und ausführlich skizziert werden, hat die letzte Szene auf mich einen zu konstruiert und womöglich auch eine Nuance zu gehetzt wirkenden Eindruck gemacht.

Dennoch kann ich Zwei Handvoll Leben nur empfehlen.

📌 Daten zum Buch: Katharina Fuchs: Zwei Handvoll Leben Vollständige Taschenbuchausgabe März 2020 Droemer Verlag 2019 ISBN 978-3-426-30685-8 Preis: 9,99 EUR Mehr Infos auf http://www.droemer-knaur.de

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